Jahrelang habe ich in Berlin gelebt und dabei einige Dinge erlebt. Diese möchte ich hier in einer Reihe von kurzen Geschichten mit Euch teilen.


Wintererinnerungen

Ein Jahr stach so richtig heraus. Der Winter war wirklich frostig und noch kurz nach Silvester schneite es ordentlich. Viel des Schnees überdauerte auch noch die kurze Warmphase. Aber danach fröstelte es richtig heftig und blieb fast 6 Wochen immer weit unter null Grad. Sogar am Tage bei Sonnenschein blieb die Temperatur unter null. Somit konnte der Schnee nicht schmelzen. Es viel sogar noch alle paar Tage etwas Schnee. Aber immer nur so viel, dass es gerade reichte ein dünne Decke über die nächste zu legen und alles drunter zu bedecken. So gelangten auch Dinge unter die Decke, die sonst auf Berlins Fußgängerwegen als Bomben lagen und nun im Eis eingeschlossen und tief gefroren überdauerten. Der Schnee sah an fast allen Stellen auch nicht mehr nach Schnee aus, sondern war am Rande der Gehwege zu riesigen Eisbergen aufgehäuft worden. Durch den Dreck der Gehwege, das einmassierte Granulat und anderen Dingen, waren es einfach schwarze Schutt berge, die sich links und rechts der Gehwege auftürmten.
Dann plötzlich kam der Frühling. Nicht etwa ganz langsam, nein. Der Frühling schmetterte den Winter mit aller Kraft hinfort. Einfach so innerhalb von wenigen Tagen sind Temperaturen von mehr als 20Grad erreicht worden. Die Vögel zwitscherten und die Gehwege konnten vom Granulat befreit benutzt werden. Nur die Eisberge sonderten ihr Schmelzwasser ab und fluteten die Gehwege und Rinnsteine. Die Luft war ein fast allen Strassen zum Bersten gefährlich. All die HundeBomben der letzten 2 Monate vermengt mit anderen Müll und Blättern hat sich zu einer langsam verwesenden Masse zusammen gefunden, welche allen den Atem genommen hatte. Ein erbärmlicher Gestank durchzog die Häuserschluchten. Vor Allem der Hundekot war so was von aggressiv in der Nase, man hätte auch locker kotzen können. Erst fast 2 Wochen nach dem besagten Frühlingsbeginn konnten die letzten Überbleibsel entfernt und damit die Geruchsbelästigung beseitigt werden.

Bis heute hat mich das verfolgt, dass ich es mal niederschreiben musste. Diese Erinnerung ist eines der Schlimmsten, die ich an Berlin im Winter habe.


Computerprobleme bei einer Berliner Behörde

Herzlich Willkommen im Computerzeitalter der Behörden.
Irgendwann im Jahre 2011, meiner Erinnerung nach musste es wohl das Jahr gewesen sein, musste ich ein Dokument in der Verwaltung einer Behörde der Stadt Berlin im Bezirk Kreuzberg machen lassen. Also auf zum Bürgeramt in die Yorckstrasse. Dritter Stock mit dem Fahrstuhl geschafft. Die Fahrstuhltür geht auf und kreischende Kinder und eine Vielzahl von Menschen sprangen mir ins Auge. Fast überall sitzen und stehen eine Vielzahl von Menschen in dem Stockwerk. Bevor man aber nun dran kommt, muss man noch an einer Schlange vor dem Sekretariat des Bürgeramtes stehen, um sein Anliegen vorzubringen und eine Marke mit einer Wartenummer zu bekommen. Das Sekretariat war in einem extra Raum, welche 2 Türen hatte. Eine für Rein eine für Raus. Es durfte aber immer nur eine Person oder ein Anliegen gleichzeitig hin eine. Die Schlange vor der Tür war lang, sehr lang – 30 oder Menschen standen etwa davor. Ich wartete also brav und es ging im Schneckentempo vorwärts. Einer kam heraus und einer klopfte um hinein zu gelangen. “Der nächste Bitte” rief jemand. Ich rechnete mit einer Zeit von 20 Minuten, bis ich zur Tür gelange. Das absurde Vorgehen wurde mir erst beim Näherkommen an der Tür klar. Ein grosses Schild mit “Nur einzeln Eintreten” war recht deutlich in verschiedenen Sprachen an der Tür angebracht. Dazu war die Tür mit allem möglichen voll geklebt. Sowas wie Öffnungszeiten, Telefonnummern und Adressen von anderen Organisationen klebten wild überall links Rechts auf der Tür und an den Seite verteilt. Es war eigentlich eine Holztür mit einem Glaseinrahmen in der Mitte, welchen man nutzen könnte um zu schauen, ob jemand drin ist, aber das war kaum möglich, bei der Menge an Papier. Ich beobachtete das Treiben und merkte, dass viele die im Büro waren direkt wieder zum Fahrstuhl gingen und weg fuhren. Endlich gelangte ich an die Tür. Ich wartete bis mein Vorgänger raus kam und klopfte brav. “Herein” . Ich trat ein und stellte mich an das Pult. Eine Frau schaute mich an und fragte “Was möchten sie?” “Guten Tag – Ich brauche eine Wohnsitzbescheinigung.” “Für welches Anliegen?” “Ähm wofür? – Für die Ausländerbehörde. Wegen meiner Frau, sie muss ihre Aufenthaltsbewilligung verlängern.” “Ok, das kostet dann aber Geld – 10Euro.” Ob es nun 10 oder 15 Euro gekostet hat , kann ich nicht mehr sagen, aber es kostet. Gut , dann ist dem so. “Muss ich das hier gleich zahlen?” “Nein, wenn sie die bekommen haben beim Kollegen, müssen sie das bezahlen.” Bis hier war ja noch alles normal, aber ab hier jetzt wurde es völlig absurd. “OK, sagte ich.
Sie sagte dann: “Jaaaa, ich kann ihnen aber im Moment keine Wartemarke geben. Wir haben gerade Computerprobleme.” “Sie haben was?” “Na Computerprobleme – sie müssen einige Zeit warten, bis das behoben sein wird.” “Sie können mir keine Wartemarke geben, weil sie Computerprobleme haben?” “Nein, ich kann ihnen eine Marke geben, aber sie müssten dann unter Umständen einige Zeit warten bis sie an der Reihe sind.” “Wie lange denn?” “Keine Ahnung, die haben wir schon den ganzen Vormittag. Ich weiss eben nicht wann das behoben sein wird. Das  kann evtl. den ganzen Tag sauern.” “Aber eine Wartemarke ist doch dann sinnlos, wenn ich hier noch etliche Stunden warten soll. Aber da warten doch noch eine Menge Leute draussen. Vielleicht sagen sie den doch mal was hier los ist.” “Ja aber das habe ich doch.” “Bei jedem einzelnd?” “Ja, ich weiss ja nicht was der will? Und ausserdem habe ich doch ein Schild an die Tür gemacht.” “Ein Schild? Wass für ein Schild?” Ich machte grosse Augen und ich stand doch dort vor der Tür und hab ich ein Schild gesehen? Ähm nein, hab ich nicht. “Ja, natürlich!” brauste die Dame auf. “Sorry – Ich hab keins gesehen. Wo denn?” “Die Dame kam hinter ihrem Pult hervor und machte die Tür auf: “Na dort!” und zeigte auf ein weissen DIN-A4 Blatt auf dem in Schriftgrösse 12 – Schriftart: Courier stand: “Computerprobleme!” Der Zettel war auch noch halb von anderen Zetteln überhangen, die schon länger dort hingen und ihren Schatten auf das weisse Blatt Papier warfen. Hände über den Kopf schlagend hab ich gesagt: “Das kann man doch kaum lesen und in welchem Zusammenhang das steht ist auch völlig unklar.” “Wieso? Das ist doch ganz klar.”, sagte sie mir. “Ja, natürlich! Ganz klar.” Sie ging wieder rein hinter knallte die Tür zu und verschwand hinter ihrem Pult. Ich stellte mich vor die Tür und wollte die Leute in der Schlange informieren. Ich sagte ganz laut: “Hallo Zusammen, die haben hier aktuell Computerprobleme und können keine Anliegen abfertigen. Das wird vermutlich noch einige Stunden dauern. Warten ist somit vermutlich heute sinnlos.” Alle schauten mich an und fluchten. Entgeistert schauten einige die kein Deutsch sprachen um sich und sprachen Landsleute an die ihnen das erklärten. Dann gingen mindestens die Hälfte der Leute mit mir zusammen zum Fahrstuhl und verliessen das Bürgeramt.


Sylvester

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